Herbolzheim - Kriegszerstörung und Wiederaufbau in einem mittelfränkischen Dorf

Der wissenschaftliche Volontär des Fränkischen Freilandmuseums des Bezirks Bad Windsheim, Herr Simon Kotter, hat in den Archiven der Kirchengemeinde Herbolzheim und der politischen Gemeinde recherchiert und in seinem Aufsatz in der Zeitschrift der fränkischen Freilandmuseen "Franken unter einem Dach" veröffentlicht.

Quelle: Kotter, Simon: Herbolzheim – Kriegszerstörungen und Wiederaufbau in einem mittelfränkischen Dorf, in: Franken unter einem Dach. Zeitschrift für die fränkischen Freilandmuseen, Heft 38 (2016), S. 11-30.


Aus der Geschichte...

Herbolzheim gehört wohl zu den ältesten Frankensiedlungen des oberen Ehegrundes. Abgesehen von Funden aus der vorgeschichtlichen Zeit (Neolithikum und Urnenfelderkultur), ist bis heute ein frühmittelalterlicher Turmhügel erhalten, der als Wehranlage einst von einem Wassergraben umgeben war.
Bei Ausgang des Mittelalters wird Herbolzheim im Jahre 1298 als Mutterpfarrei im Archidiakonat Rangau der Diözese Würzburg genannt, deren Tochterkirchen später (z.B. Kottenheim, Krassolzheim, Krautostheim und Nordheim 1464/65 abgetrennt und zu eigenen Pfarreien erhoben worden sind.
Als Lehensherren hatten u.a. der Bischof in Würzburg und das Haus Schwarzenberg Untertanen in Herbolzheim, die sich in der Zeit der Reformation geschlossen der Lehre Luthers zuwandten. Während die übrigen Lehensherren ihre Untertanen gewähren ließen, verlangte 1632 Bischof Philipp Adolf von Würzburg, dass alle Untertanen und Hausgenossen zur katholischen Religion zurückkehrten oder auswandern sollten. Da sie letzteres nicht wollten, haben wir bis heute Gläubige beider Konfessionen in Herbolzheim, die sich die damals einzige Pfarrkirche St. Michael als Simultaneum teilten. Die nicht ausgebliebenen "Händel", insbesondere bei Pfarrstellenbestzungen , hat man schließlich durch einen "weisen" Vergleich beendet. Die ältere Kirche wurde den Evangelischen und das Pfarrhaus den Katholiken überlassen.
Dem evangelischen Pfarrer überließ man den schwarzenbergischen Zehntspeicher, der zum Pfarrhaus umgebaut wurde. Alle Einwohner aber, ob katholisch oder evangelisch, wurden verpflichtet gemeinsam eine Kirche zu bauen, die allein den katholischen Gläubigen gehören sollte. So haben wir seit 1798 zwei Kirchen in Herbolzheim.
Sie teilten beide das Schicksal des ganzen Dorfes, als dieses im April 1945 bei Ende des 2. Weltkrieges in Schutt und Asche fiel. Unverzüglich gingen die Einwohner an den Wiederaufbau soweit dies irgend möglich war. Da Dachziegel nicht zu haben waren, behalf man sich zunächst mit Stroh. Das aber sollte sich bitter rächen.
Als im Dürrejahr 1947 am 5. September beim Dreschen ein Brand ausbrach, wurden die notdürftig errichteten Gebäude erneut ein Raub der Flammen, die bei akutem Löschwassermangel in den Strohdächern und den eingebrachten Erntevorräten reiche Nahrung fanden. Wieder Standen die Menschen vor rauchenden Ruinen, wie nur wenige Monate vorher. Sie mussten allen Mut aufbringen, um daran nicht endgültig zu verzweifeln.
Inzwischen hat die Folgegeneration und deren Kinder "das Runder übernommen." Ihren Überlebenswillen und die Bereitschaft, sich den Aufgaben der Zukunft zu stellen mag man schon daran erkennen, dass Herbolzheim im Jahr 1965 im Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" eine Goldmedaille errungen hat.

 

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